In einer digitalisierten Welt spielt die Computerkriminalität nachweislich eine immer wichtigere Rolle.
Dies erfordert aus Sicht des Hightech-Verbandes Bitkom eine bessere Ausstattung von Polizei und
Staatsanwaltschaften sowie organisatorische Änderungen bei den Ermittlungsbehörden.
„Das Know-how von Polizei und Staatsanwaltschaften bei der Computerkriminalität muss massiv gestärkt und
gebündelt werden. Spezielle Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften könnten wesentlich effektiver gegen die
Kriminellen im Internet vorgehen“, sagte Prof. Dieter Kempf, Präsidiumsmitglied des Bitkom und
Vorstandsvorsitzender des Vereins „Deutschland sicher im Netz“ in Berlin. „Neue oder verschärfte Gesetze
sind bei der dynamischen Entwicklung der Computerkriminalität selten der beste Weg. Wir sollten zunächst
versuchen, die vorhandenen Gesetze konsequent durchzusetzen“, sagte Kempf.
Nach einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag des Bitkom aus dem Jahr 2008 sind fast vier Millionen
Deutsche schon einmal Opfer von Computerkriminalität geworden. Sieben Prozent aller Computernutzer ab 14 Jahre
haben bereits einen finanziellen Schaden erlitten – etwa durch Viren, bei Online-Auktionen oder beim
Online-Banking. Nach Erkenntnissen der Strafverfolger sind sie immer häufiger Opfer von professionellen und
organisierten Kriminellen und nicht von jugendlichen Gelegenheits-Hackern.
„Neuartige Kriminalitätsphänomene ersetzen zunehmend klassische Deliktsformen. Zugleich gibt es kaum
Kriminalitätsbereiche, in denen sich die Täter nicht ausgefeilter und modernster Technik bedienen und das
Internet als Tatmittel nutzen“, sagte Jörg Ziercke, Präsident des Bundeskriminalamtes. So wurden 2007 in der
Polizeilichen Kriminalstatistik rund 180.000 Fälle mit dem Tatmittel Internet registriert – acht Prozent mehr
als im Vorjahr. Die so genannte IUK-Kriminalität im engeren Sinne stieg gar um 17 Prozent: Mit oder gegen
moderne Informations- und Kommunikationstechnik wurden 2007 über 38.000 Straftaten begangen. Dabei seien die
Täter sehr innovativ und passten sich veränderten technischen Gegebenheiten sehr schnell an. „Das Phishing hat
längst nicht mehr nur die Erlangung klassischer Online-Banking-Daten zum Ziel; die Täter von heute interessieren
sich für alle Arten von Zugangsdaten, mit denen sie Verfügungen im Internet vornehmen können“, so Ziercke.
Immer neue Varianten der Tatbegehung erschwerten es den Strafverfolgungsbehörden, auf Augenhöhe mit den Tätern
zu bleiben. Aus Bitkom-Sicht sind – zusätzlich zu verbesserter Ausstattung und Organisation der Ermittlungsbehörden
– drei weitere Punkte wichtig, um die Computerkriminalität einzudämmen: Erstens muss das Zusammenspiel von Staat
und Wirtschaft insbesondere beim Austausch von Informationen verbessert werden. „Wir unterstützen ausdrücklich
die Idee, eine Informations- und Diskussionsplattform für Strafverfolgungsbehörden und betroffene Unternehmen
zu gründen.
Internationale Unternehmen können Erkenntnisse aus verschiedenen Ländern schnell und unbürokratisch zuliefern
und so den ebenfalls länderübergreifend arbeitenden Kriminellen das Leben erschweren“, sagte Kempf.
Zudem müsse die Sicherheit der IT-Produkte permanent verbessert werden. Hier helfen insbesondere gezielte
Forschungsvorhaben. Daher begrüße man die Ankündigung der Bundesministerien für Forschung und Inneres, die
IT-Sicherheitsforschung mit 30 Millionen Euro zu fördern. Drittens muss die Kompetenz und Eigenverantwortung
der Verbraucher weiter gestärkt werden. Nach der Bitkom-Umfrage nutzen beispielsweise nur zwei Drittel der
Internet-User eine Firewall. „Wer sein System sichert, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch das seiner
Mitsurfer. Wer keine Firewalls installiert und gedankenlos surft, dessen Computer wird schnell zur Bedrohung
auch für andere Nutzer“, so Kempf. Mittelfristig wird so das Vertrauen vieler Nutzer und kleinerer Unternehmen
in die Online-Sicherheit untergraben. Die ITK-Wirtschaft engagiert sich daher in Vereinen wie „Deutschland
sicher im Netz“, um die Verbraucher zu sensibilisieren und aufzuklären.